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Die Daten- und Bilderflut bietet ein ideales Versteck für illegale Internetseiten oder sogenannte Filesharing Netzwerke – Datentauschbörsen – mit erschreckenden kriminellen Inhalten wie Kinderpornografie, Misshandlung und Kinderhandel.

Die intensive Nutzung der neuen Medien durch Kinder und Jugendliche, die sich in der Regel der Gefahren nicht bewusst sind und ihre Daten und Bilder offen zugänglich machen, macht sie zu leichten Zielen für potenzielle Übergriffe.

Wie eine aktuelle Repräsentativ-Studie des Instituts für Jugendkulturforschung „Generation Selfie“ zeigt, machen 57% der 14- bis 29-Jährigen mit der Handykamera Fotos von sich und laden sie dann auf Web 2.0-Plattformen ins Netz. 1

Durch Smartphones und Webcams wird das Aufnehmen für „jedermann“ einfacher, der Versand blitzschnell. Natürlich ist die politische Öffentlichkeit längst alarmiert, aber die Kriminalität an Kindern mittels digitaler Medien wächst so rasant, dass die Gesellschaft gegensteuern muss. Insbesondere im Bereich des sexuellen Missbrauchs haben die digitalen Medien zu einer Eskalation des Problems geführt. Jedem kinderpornografischen Foto liegt dabei ein realer Missbrauch zugrunde. Das entscheidend Neue am Internet ist…

  • der scheinbar anonyme und relativ günstige Zugang zu einer großen Anzahl pornografischer Bilder aus aller Welt, die jeder Zeit von jedem Ort zugänglich sind.
  • die Möglichkeit zur direkten, ungestörten Kontaktaufnahme mit vielen potenziellen Opfern in sozialen Netzwerken, Chatrooms, Onlinespielen oder über Messenger Dienste. Durch den intensiven Austausch von Kindern und Jugendlichen in den sozialen Medien steigt die Opferzahl von Cyberkriminalität!

Das noch relativ junge und sich schnell entwickelnde Medium Internet hat die Problematik der sexuellen Ausbeutung von Kindern weltweit und natürlich besonders die Verbreitung von so gewonnenem kinderpornografischem Material stark verschärft.

Pädokriminalität wird verstärkt von internationalen, kriminellen Netzwerken organisiert, die sich digitaler Technologie bedienen. Im Internet tauschen und verkaufen sie ihr „Material“ und jagen „ihre Beute“, d.h. sie nutzen es, um Kinder und Jugendliche anzusprechen.

Einige Fakten um die Dringlichkeit unseres Anliegens zu verdeutlichen:

  • sexuelle Ausbeutung im Tourismus: 

Nach Hochrechnung einer deutschen Studie (Kleiber, 1995) hätten jährlich 1-2 Prozent der deutschen Männer Sex mit Minderjährigen im Ausland. Umgelegt auf Österreich wären das pro Jahr 2.200 und 4.500 Österreicher (ECPAT Österreich, 2006).
2013 wurden in der Meldestelle „Kinderpornografie und Sextourismus“ 3.258 Hinweise bearbeitet, davon haben 221 Hinweise einen Österreichbezug. 551 Anzeigen nach § 207a StGB wurden 2013 in Österreich erstattet. Noch 2011 wurden in Österreich nach § 207a StGB – Pornographische Darstellungen Minderjähriger – 35 Fälle angezeigt (BMI, 2011).

  • Pornografische Darstellungen Minderjähriger:

4.299 Hinweise zu Kinderpornografie gingen 2013 bei der Meldestelle “Stopline.at” ein, 1.527 Fälle davon wurden als illegal eingestuft. Im Vergleich zum Vorjahr (2.145 Meldungen, davon 430 Fälle als illegal eingestuft) wird ein deutlicher Anstieg von 20% auf 36% im Bereich kinderpornografischer Inhalte verzeichnet. (Stopline, 2013).

Ende 2013 bewies „terre des hommes“ Niederlande mit „Sweetie“, was wir unter dem technokratischen Begriff „Webcam Kindersextourismus“ zu verstehen haben. Sweetie ist die digitale Kunstfigur eines 10 jährigen philippinische Mädchens, deren Körper binnen weniger Wochen 20.000 Männer weltweit kaufen wollten. Diese Aktion zeigte zum ersten Mal einen neuen und schockierend lukrativen Markt des Kindersextourimus, der allein durch digitale Medien und globale Vernetzung ermöglicht wird.

  • In Österreich:

Es werden jährlich etwa 800 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs bekannt. Die Dunkelziffer beträgt mehr als das Zehnfache. 2

2012 gab es in Österreich 129 Verurteilungen laut § 206 und § 207 StGB zu „(schwerem) sexuellen Missbrauch von Unmündigen“ (Statistik Austria, 2012).

  • Menschenhandel:

Laut Angaben von Eurostat wurden 2010 innerhalb Österreichs 62 Personen als Betroffene des Menschenhandels identifiziert (EU, 2013).
2010 gab es in Österreich (nach § 104a und §217 StGB) 167 Anklagen wegen Menschenhandel, davon wurden 24 schuldig gesprochen (EU, 2013).  3

  • Cybergrooming und Belästigung junger Internetnutzer in den neuen Medien:

Ein fünfzehnjähriges Mädchen berichtete: „Viele Mädchen lassen sich von den Jungs halt manipulieren. Weil wenn einer sagt: Schick mir ein Nacktfoto von dir und ich schenke dir meine Aufmerksamkeit und alles. Und sie glauben das halt, und sie wissen nicht, dass die Jungs einfach so sind, dass sie es weiterschicken. Und irgendwann landet es dann auf Facebook.“ 4

Ein zunehmendes Problem wird auch gezielte Erpressung von Jugendlichen: „Immer mehr Jugendliche melden sich bei uns, die Opfer einer “Sex-Falle” im Internet wurden. Ein Lockvogel verleitet Burschen dazu, sich vor einer Webcam auszuziehen bzw. sexuelle Handlungen an sich durchzuführen. Dann kommt es zu Erpressung.“ 5

Notes:

  1. Institut für Jugendkulturforschung: Presseaussendung, 31.03.2014, in: https://jugendkultur.at/wp-content/uploads/Presseaussendung_31.3.2014_-Studie_Generation_Selfie.pdf ↩
  2. diekriminalisten.at, Tatort Kinderzimmer, „Das Dunkelfeld erhellt” ↩
  3. ECPAT Österreich ↩
  4. https://www.wn.de/Muenster/2011/01/Nachrichten-Muenster-Jedes-zweite-Maedchen-im-Chat-belaestigt ↩
  5. https://www.b-nk.at/images/download/B-NK-2014-Ich_im_Netz_Bericht.pdf ↩